Theater-Projekt in Hausen am Albis

Der erste Teil des Projekts mit der Theatergruppe „Cooltour“ in Hausen am Albis ist zu Ende gegangen. Während acht Wochen habe ich mich als Theaterpädagoge versucht und mit acht motivierten, kreativen und interessierten Schauspielerinnen und Schauspielern (Alters-Spannweite von fast 70 Jahren!) ein eigenes Stück entwickelt. Wir haben mit Improvisations-Übungen angefangen, haben uns gegenseitig durch fiktive Landschaften geführt, einander mit imaginären Dingen beschenkt und Lügen über unser Leben erzählt. Immer mehr haben sich Themen, Handlungen und Figuren herauskristallisiert, die nicht immer von Anfang an miteinander harmonierten. Wir haben gespielt, uns in unsere Figuren hineingelebt, kreative Konflikte ausgetragen, aber vor allem uns immer wieder – wie sich das für gute Improvisation gehört – gegenseitig neue Impulse gegeben, Anregungen fürs Weiterspielen und Weiterentwickeln. Wir haben weitgehend auf Text verzichtet; erst am Ende habe ich angefangen, aufgrund von mehreren Stunden Filmmaterial, unzähligen Notizen und Konzeptpapieren das Stück zu schreiben – auf Züritütsch, was für mich als St. Galler eine zusätzliche Herausforderung bedeutet hat.

Das Stück steht, und jetzt geht es in die zweite Phase. Im neuen Jahr beginnt die Truppe unter der Leitung einer Regisseurin das Stück auf die Bühne zu bringen. Da bin ich nicht mehr dabei, wenn ich auch zwischendurch mal reinschauen werde. Im Mai ist dann die Aufführung, auf die freue ich mich ganz besonders.

Das Projekt, das ich im Rahmen meines zehnwöchigen Bildungsurlaubs machen durfte, hat mir viel gebracht: Einblick ins Theaterleben, ins Laientheater, viele wertvolle und herzliche Bekanntschaften, dann aber auch viel Knowhow in der Zusammenarbeit mit einer Theatergruppe und im Entwickeln eines Stücks. Wie ein Aha-Erlebnis auch die Erkenntnis, wie weit Theatertext und gespieltes Theater auseinander liegen können. Bisher hatte ich im Unterricht zunächst einmal mit Text zu tun. Davon ausgehend habe ich mit den Schülerinnen und Schülern versucht, mögliche „Inszenierungen“ zu entwerfen. Erst wenn man den umgekehrten Weg geht, von einer improvisierten Szene mit allen ihren gestischen, mimischen und atmosphärischen Details zu einem Text, merkt man, wie sehr der Text blosses Skelett ist – wie viel mehr ein gelebtes Theaterstück!

Herzlichen Dank Cooltour für eure Bereitschaft, für euren Mut! Es war wunderbar mit euch!