Inside SRF Meteo

Über den Newsletter des Schweizer Fernsehens habe ich einen Redaktionsbesuch bei der Sendung «Meteo» gewonnen. Um halb zehn werden wir am Empfang von unserem Guide abgeholt, wir bekommen Badges, schauen uns ein Einführungsvideo an, dann geht’s los. Wir sind nur vier, aus verschiedenen Regionen der Deutschschweiz, aber gleich begeistert vom Fernsehen und total aufgeregt. Zwei Journalisten mit Handykameras begleiten uns. 
Über Treppen und lange Gängen erreichen wir das erste Studio. Tausende von Scheinwerfern hängen an der Decke der riesigen Halle, in der die Dekors für all die Sendungen stehen, die wir aus dem Fernsehen kennen: «Arena», «Puls», «Club», «Sportstudio» und «Eco». Steht man drin, wirken sie hell und farbig, aber viel kleiner als man erwartet hätte, von außen sind es nackte Holzgerüste, an denen dicke Kabelstränge entlang laufen. Wir dürfen uns vor den Moderatorenpulten verschiedener Sendungen fotografieren lassen. 
Neben dem Ausgang sind fünf kleine Aufnahmekabinen mit Bildern vom Bundeshaus, von London, von Brüssel und dem Weißen Haus. «Hier filmen wir die Auslandkorrespondenten», erklärt uns der Guide. «In den ersten drei sind die Hintergründe fix installiert, in den anderen beiden können wir je nach Bedarf wechseln.» In der fünften Kabine ist eine graue Wand.
«Ich dachte immer, die Korrespondenten seien vor Ort», sage ich.
Der Guide lacht. «Ja, das denken die meisten.»
Ins zweite Studio, das noch größer scheint als das erste, dürfen wir nur einen Blick werfen, weil gerade umgebaut wird. Häuserfassaden stehen schon, Tribünen werden aufgebaut, eine riesige Wettermaschine herangefahren. «Hier wird alles für die Appenzeller Landsgemeinde von nächster Woche aufgebaut», erklärt uns der Guide. 
«Unglaublich!», rufen wir wie aus einem Mund, «sagenhaft!»
«Anstelle der Leuchtanlage wird am Ende ein richtiger Himmel reingehängt», fährt er stolz fort, «aber dafür brauchen wir noch die Infos der Meteorologen. Und da gehen wir jetzt hin!»
Wir kommen an unzähligen Werkstätten vorbei. Der Guide meint, hier könnte man die ganze Schweiz im Maßstab 1:1 nachbauen. 
Durch ein Labyrinth von Treppen, Fluren und Aufzügen gelangen wir zu den Büros von SRF Meteo. Die Redaktionssitzung ist schon im Gange, wir stellen uns an die Seite, um nicht zu stören. Da sitzen die Wetter-Moderatorinnen und Moderatoren, die wir aus dem Fernsehen kennen, witzeln und scheinen richtig Spaß an ihrer Arbeit zu haben. Die Moderatorin wirkt viel kleiner als im Fernsehen. Auf einer Unzahl von Bildschirmen sieht man Wettermodelle und Karten. So sprechen sie das Wetter in der Schweiz mit Wetterstationen anderer Länder ab. Seit Tagen schon ist es kühl und regnerisch. «Die Leute könnten wieder mal etwas Sonne vertragen», schlägt die Moderatorin vor. Aber ein anderer meint, sie müssten sich schon ein wenig an die eigenen Prognosen und die Modelle der Kollegen halten, diese Kaltfront über Skandinavien könnte man nicht so abrupt woanders hinschieben. Also nochmals umgekehrtes Tagesgangwetter, Tiefdruckgebiete hier und da, den Wind könnte man allenfalls etwas zurückdrehen und ab nächster Woche dann langsam etwas wärmere Temperaturen bringen, heute aber noch Bewölkung und Sturmwinde. Der Internet-Redaktor macht sich eine Notiz, den Wetteralarm aufzuschalten.

Nach einer halben Stunde und ein paar Fotos mit den Meteorologen nimmt sich der Chefmeteorologe, der uns natürlich auch aus dem Fernsehen bekannt ist, Zeit für uns. Der Mann ist ein Phänomen, eine Kapazität auf seinem Gebiet! Es gibt nichts im Zusammenhang mit Wetter und Prognosen, was er nicht weiß, und wir dürfen ihn alles fragen! Wir wollen wissen, wer die Ortschaften auswählt, die während der Sendung auf der Schweizerkarte eingeblendet werden. Er erklärt, das mache der jeweilige Moderator. Dann fragt er uns, woher wir kommen, und veranlasst, dass in der Mittagssendung unsere Wohnorte im Fernsehen erscheinen! 
Anschließend gibt’s Essen in der Betriebskantine. Der Guide mahnt zur Eile, denn kurz vor eins dürfen wir an der Wetter-Sendung teilnehmen, die vom Dach des Fernsehstudios live gesendet wir. Es wird der Höhepunkt unseres Besuchs sein! Der Chef-Moderator hat gemeint, man müsse das Meteo-Dach bei Wind und Wetter erlebt haben. Deshalb holen wir zuerst unsere Jacken. Auf dem Weg begegnen wir weiteren Fernsehgrößen, unter anderem diesem Tagesschau-Moderator mit den wahnsinnigen  Augenbrauen, der sich so geschliffen ausdrücken kann. 
War das wirklich der?, fragt einer von uns.
«Er oder einer seiner Doubles», meint der Guide, «ich kann sie nie auseinanderhalten.» Wir sehen zwei Sportredaktoren, eine weitere Tagesschau-Moderatorin, und sind jedes Mal erstaunt, dass es die wirklich gibt, als echte Menschen. Einer von uns glaubt den Digital-Redaktor zu erkennen. Es ist aber nur ein Arbeiter, der ebenfalls einen langen Bart und Tatoos hat. 
Vom 13. Stock führt eine steile Treppe aufs Dach. Was für ein Blick: über Schwamendingen, den Glattpark und Oerlikon bis weit in die umliegenden Hügel und die Berge. Es geht noch weiter hoch bis zu dieser kleinen Plattform mit dem Moderationspult, dem übergroßen Display und dem Wasserbecken, die mir ganz vertraut erscheint, schaue ich sie mir doch jeden Abend an. Es stürmt wie verrückt. Wir klammern uns ans Geländer, auch der Kameramann kämpft gegen den Wind. Dann kommt die Moderatorin. Sie ist hübsch und dynamisch. Und auch sie ist echt. Ein Techniker sichert sie mit einem Stahlseil.  
Wenige Minuten später geht es los. Auf die Sekunde genau ist sie ist auf Sendung, erläutert mit einer beeindruckenden Leichtigkeit das Wetter, das sie in der Sitzung geplant haben, ohne Skript, ohne Teleprompter und ohne sich ein einziges Mal zu versprechen. Der Wind bläst so stark, dass wir kein Wort verstehen. Es dauert nur wenige Minuten, dann wird sie losgebunden, schüttelt jedem von uns die Hand und verschwindet. Wir sind sprachlos! 
Als wir runtergehen, stellen Techniker die Windmaschine ab. 
Vor dem Eingang gibt’s noch ein Gruppenfoto, dann mache ich mich auf den Weg, den Kopf voller faszinierender Bilder und Eindrücke. 
Die Sonne scheint und es ist windstill. 

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