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Marc Späni

1/12/2026

Bi Gotts Knochen, Füdloch und Zers

Sollte es am Mittwochnachmittag im Luzernischen zu unerwarteten Regenfällen, Sturmwinden oder Sturzfluten gekommen sein, ist das vermutlich meine Schuld. Ja, ich geb’s ja zu, ich war am Pilatus-See, und ja, ich konnte es nicht lassen, ein paar Kieselsteine hineinzuwerfen, nun gut, irgendwann waren es faustgroße Steine, und hinterher – ich weiss nicht, was mich trieb – noch üble Flüche und Beschimpfungen gegen den iudäischen Statthalter, in mittelalterlicher Manier:

[…] Dass dich das fallend Übel in diner Muoter lung angang, du greuliche Gottesgeißel! Verfluocht sollst sein, verdammt, vermaledeit, bi Gott, bi Gotts Knochen, bi Gotts Füdloch und Zers! Dass dich Gotts Marter schänd, dass dich Gotts Lichnam schänd, dass dich Gotts Scheiß schänd, du verhiter Kuhgeheier, Saugeheier, Judasbart, Hurenbalg […]

Pilatussee, Kanton Luzern.

Ob es diesen malerischen Ort oberhalb von Eigenhal wirklich gibt, werde ich später entscheiden. Immerhin ist er auf keinem Wegweiser erwähnt, auch kein Wanderweg führt dahin, und das lässt – gerade in der Schweiz – schnell den Verdacht aufkommen, dass man es mit einer Fiktion zu tun hat. Real wird der See im Hochmoor spätestens in meinem aktuellen Erzählprojekt, das etwas mehr als zweitausend Jahre abdeckt, in dem aber auch Protagonisten mitspielen, die erst nach 700 Millionen Jahren endgültig zerfallen.

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Erzählung, Literatur, Marc Späni, Pilatus-Sage, Pilatussee, Pontius Pilatus, Renward Cysat, Schweizer Literatur
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